Zum Thema Schräglage
Ich habe das schon mal an andere Stelle geschrieben, schön dass es diese Anzeige gibt, ist für Trainingszwecke, oder zur Überwindung der Schräglagenangst (Nachträgliche Analyse) sicherlich hilfreich bzw. auch sinnvoll, würde aber solchen Anzeigen nicht allzu viel Aufmerksamkeit schenken.
Heutige Motorräder messen ja über die IMU (Trägheitsmesseinheit moderne 6 Achsen-Sensorbox) teils unrealistisch hohe Schräglagen, liegt einfach an der Physik der Sensoren. Eine IMU kann den echten Schräglagenwinkel nicht direkt messen, sie schätzt ihn mathematisch über Beschleunigungen und Drehgeschwindigkeiten. Bestimmte Fahrdynamiken und Umweltfaktoren verfälschen diese Berechnung drastisch
Habe hier mal einige Punkte kopiert…
1. Querneigung der Straße (Hanglage)
Die IMU misst die Orientierung relativ zum Erdmittelpunkt (Gravitationsvektor). Wenn Sie eine Kurve durchfahren, die nach innen geneigt ist (Steilkurve oder positives Gefälle), addiert sich die Straßenneigung zum Fahrwinkel. [1, 2]
• Beispiel: Sie fahren reale 35° Schräglage zum Asphalt. Die Straße fällt in der Kurve um 10° nach innen ab. Die IMU registriert rechnerisch 45° Schräglage zur Erde. [1]
2. Extreme Beschleunigung und Bremsen
Die IMU nutzt Beschleunigungssensoren, um die Drift der Drehratensensoren (Gyroskope) zu korrigieren. Beim harten Rausbeschleunigen (z.B. Wheelie-Phase) oder starkem Bremsen in die Kurve hinein überlagern sich diese Kräfte. [1, 2, 3]
• Die mathematischen Filter (wie der Kalman-Filter) können in solchen Momenten dynamische Beschleunigung nicht perfekt von der Schwerkraft trennen.
• Das führt kurzzeitig zu Peaks (Spitzenwerten) in der Anzeige, die real nie existierten. [1, 2]
3. Vibrationen und Reifen-Schlupf
Hochfrequente Vibrationen des Motors oder ein unruhiges Fahrwerk bringen die Sensoren an ihre Grenzen. Wenn das Hinterrad beim harten Beschleunigen minimal rutscht (Schlupf) oder das Motorrad über Bodenwellen versetzt, entstehen schlagartige Fliehkräfteränderungen. Die Software deutet diese abrupten Sensor-Ausschläge fälschlicherweise als extreme Schräglagenänderung.
4. Der "Drift"-Effekt bei langen Kurven
Gyroskope messen die Drehgeschwindigkeit des Motorrads beim Einlenken. In sehr langen, gezogenen Kurven verharrt das Motorrad lang in derselben Position. Die Gyroskope liefern kein Signal mehr, und das System muss sich rein auf die Fliehkraft-Sensoren verlassen. Hier summieren sich kleinste Messfehler auf (Sensor-Drift), was am Kurvenausgang zu falschen Maximalwerten im Display führt. [1, 2]
Möchten Sie wissen, wie Hersteller wie BMW oder KTM versuchen, diese Fehler per Software herauszufiltern, oder interessieren Sie sich für den Einfluss der Reifenbreite auf die Schräglage?